Ze Reader

Ich muss mich hier grad mal über was aufregen, nachdem ich eben Ausschnitte aus The Reader gesehen habe. Und zwar die unsägliche Praxis, Charaktäre in einem englischsprachigen Film, der in einem nicht-englischsprachigen Land spielt, Englisch mit einem (in der Regel schlechten) Akzent sprechen zu lassen. Neben dem Vorleser fällt mir da z.B. noch Ratatouille ein, in dem Franzosen untereinander Englisch mit stereotypen Akzent sprechen. Und mich regt sowas schon sehr lange auf, auch wenn mir jetzt spontan nicht noch mehr Beispiele einfallen.

Ich finde es immer toll, wenn sich in Filmen wie Ronin und Vantage Point, oder Serien wie Lost oder Heroes ausländische Charaktäre in ihrer Sprache unterhalten, weil das einfach ein gewisses Gefühl von Realität vermittelt.
Aber wenn ein Film, wie Ratatouille, und von der Buchvorlage her denke ich mal, The Reader auch, in einem in sich geschlossenen Sprachgefüge existiert (also alle Charaktäre die gleiche Sprache sprechen), spricht doch wirklich nichts dagegen, daß dann alle miteinander hochenglisch sprechen. Ich habe Schindlers Liste nie im Original gesehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß Fiennes und co. da mit pseudo-deutschen Akzenten auftreten!

Zum gedankenexperimentalen Vergleich: Man stelle sich vor, in Deutschland würden amerikanische Filme so synchronisiert, daß alle mit amerikanischem Akzent (“Howdy!” und Kaugummi im Mund?) sprächen!

5 thoughts on “Ze Reader

  1. Als Deutsch-Muttersprachler sollte man sich “Schindlers Liste” auch nicht englisch anschauen. By the way, natürlich sprechen Fiennes, Kingsley und “Voldemort” lupenreines Hochenglisch im Film.
    In den “Star Trek”-Serien sprechen die verschiedenen Spezies auch (meist) englisch untereinander und das, obwohl inzwischen mehr Menschen klingonisch sprechen können als Latein (also als Umgangssprache).
    Als Positivbeispiel für Sprach-Echtheit möchte ich noch “Der längste Tag” nennen, da sprechen die Amis amerikanisches und Engländer britisches Englisch, die Franzosen französich und die Deutschen deutsch (und zwar mehr als nur “Marsch, marsch!”)

  2. An Star Trek hatte ich auch gedacht. Wobei die ‘offizielle’ Erklärung dafür, daß da alle die gleiche Sprache sprechen, ja der Universalübersetzer im Communicator ist…

    Der längste Tag habe ich (trotz Loriot) immer noch nicht gesehen. Bin ja mal gespannt, wie Tarantino das in seinem Film mit den Sprachen macht. Immerhin werden die Deutschen da von Deutschen gespielt, schonmal sehr vielversprechend.

    Dann ist mir gerade noch “Raiders of the Lost Arc” eingefallen. Da wurde wenigstens versucht zu rechtfertigen, daß die Deutschen Englisch sprechen: man hat ihnen einen Franzosen zur Seite gestellt. Das ist so ähnlich wie wenn ein Haufen Wissenschaftler ein Kind dabei haben, damit sie nicht ständig nur fachsimpeln untereinander sondern dem Kind (und dem Zusachauer!) immer wieder erklären müssen, was sie machen.

  3. “Dalli Klick”-mäßig muss ich mir leider einen Punkt abziehen, denn Fiennes kam doppelt vor. Ich hätte dann lieber den Typen nennen sollen, der auch schon bei “Pappa ante Porats” und auch im letzten Bond (“Casino Royal”) mitspielt. An sich schon ein beeindruckender Werdegang; und das als “Deutscher” im Film.
    P.S.: Mir fällt als Paradebeispiel noch “Die Hard – with a vengeance” ein, EX-DDR-Stasileute plündern New York und der einzige Deutsche ist Bruce Willis.

  4. Ich nehme mal an, der doppelte Fiennes lag daran, daß du Ralph Fiennes und Liam Neeson verwechswelt hast. Was nur ein weiterer Hinweis auf etwas ist, daß ich jetzt schon seit 15 Jahren sage: Liam Neeson und Ralph Fiennes sind die gleiche Person.

  5. Wenn ich mich recht erinnere war die offizielle Erklärung, dass Klingonen untereinander Englisch sprechen, dass nur die Elite Englisch spricht, und der Pöbel aus dem Gespräch ausgeschlossen bleiben sollten…

    In Wahrheit ist es natürlich ein literarisches Mittel. Ich sehe keinen Grund sich darüber aufzuregen. Es ist ja auch nicht merkwürdig, wenn man auf einmal die Gedanken eines Charakters als VO hören kann. Man kann sich dafür oder dagegen entscheiden.

    Überhaupt ist das Beibehalten der Originalsprache oft nur Effekthascherei. Wenn deutsche Soldaten „Marsch Marsch“ rufen dient das dazu die Stimmung anzuheizen, wenn Terroristen sich in ihrer Muttersprache unterhalten, sollen sie fremd und unzugänglich dargestellt werden. Schlimm ist, wenn der Dialog dann schlecht geschrieben ist, und Franzosen statt “ja” immer “oui” sagen müssen. Das kommt aber meistens in Romanen vor. Der erste Satz aus dem Mund jeden Charakters ist dann irgendeine muttersprachliche Floskel. In Filmen braucht man das nicht, da sieht man die Figur ja (mit dem Baguette und der Baskenmütze).

    Wenn dann schlechtes Deutsch gesprochen wird stört mich das nur, weil ich es nicht verstehe ohne mich anzustrengen. Ich kann aber nachvollziehen, dass es die Macher nicht interessiert. Bei Japanisch, wär es mir auch Schnuppe, ob es akzentfrei ist, oder ob in Wirklichkeit vielleicht nur Kochrezepte ausgetauscht werden.

    Diese angesprochenen Rest-Akzente sind natürlich so eine Sache. Spontan würde ich sagen, dass es mir völlig gleich ist. Wenn der Handlungsort eine Rolle spielt kann es helfen die Stimmung und Ausstrahlung von Personen zu übertragen. Nur weil die Schauspieler amerikanisch sind, müssen sie ja nicht auch mit amerikanischem (d.h. kanadischem) Akzent sprechen. Manchmal nehmen sie britischen, mal einen aus New-England oder den Südstaaten und erschaffen so völlig andere Bilder. Ich finde es bei deutschen Synchronisationen immer einen großen Verlust, dass alle hochdeutsch sprechen.

    Im übrigen sind etliche Schauspieler in dem Film tatsächlich Deutsche. Das mag zur Authentizität beitragen, aber nicht, wenn die zwei Hauptdarsteller sprachlich deplatziert wirken.

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