Inglourious Basterds

Gestern war ein schöner Tag. Fantastisches Wetter, wolkenfreier Himmel, heiß – aber nicht zu heiß. Und was macht man an einem Tag wie diesem so? Natürlich: Kino!

Aufgrund der doch leider schrecklichen OV-Situation in Trier muss man die Gelegenheit ja nutzen, wenn mal ein Film im Original gezeigt wird. Und “Inglourious Basterds” ist ein Film, den ich auch Menschen, die nicht so Synchronisations-allergisch sind wie ich, wärmstens in der Originalversion empfehlen kann.

Das Argument “Ich hab aber keine Lust, Untertitel zu lesen” zieht bei den Basterds auch nicht, denn selbst in der “deutschen Fassung” sind gut ein Drittel des Films in französischer Sprache – mit deutschen Untertiteln. Lesen muss man also in jedem Fall, zumindest wenn man, wie ich, dem Französischen leider nicht allzu mächtig ist. (In den englischsprachigen Szenen haben mich die Untertitel hingegen etwas gestört, so daß ich teilweise den untersten Bildrand mit meiner Hand abdeckte, um nicht ins Lesen zu verfallen.)

Filmisch ist Basterds eine Freude. Große Bilder, große Musik (Score von Ennio Morricone, den ich jetzt spontan mal nicht mehr zu den Lebenden gezählt hätte, und sehr gekonnt eingesetzte source z.B. von David Bowie), große Schauspieler. Christoph Waltz als “Jew Hunter” Hans Landa und Mélanie Laurent als Shosanna spielen hervorragend. Die deutschen Darsteller, darunter ein imposant-bilingualer Daniel Brühl und Sylvester Groth als Goebbels, tragen den Film mehr und weiter als es “Hauptdarsteller” Brad Pitt vermag. Dieser sorgt durch sein herrliches over-acting zwar für einige Aufheiterung, aber letztendlich müssen er und seine “Hollywood-Kollegen” die Bühne für die Europäer räumen.

Sogar Til Schweiger kann überzeugen, wenn auch eher wortlos, in einer äusserst spannenden Szene mit Michael Fassbender, Alexander Fehling, August Diehl und, leider, Diane Krüger. Krüger ist für mich das einzige wirklich große Manko an Basterds. Völlig fehlbesetzt gibt sie Bridget von Hammersmark, eine deutsche Schauspielerin die an die Dietrich erinnern soll, mich durch ihre hölzerne Ausstrahlung und schrecklichen (sowie schrecklich falschen) deutschen Akzent aber völlig aus dem Film herausgeholt hat.

Die zweieinhalb Stunden Laufzeit merkt man dem Film kaum an, was vor allem an der episodischen Struktur liegen dürfte. Es gibt zwei grobe Handlungsstränge, einmal die Geschichte der “Inglourious Basterds”, eine von Pitts Aldo Raine angeführte Gruppe jüdisch-amerikanischer Brutalos auf Nazi-Jagd, und dann die viel interessantere Geschichte der Jüdin Shosanna, die nach der Ermordung ihrer Familie durch Landa als Kinobesitzerin im besetzten Paris “untertaucht”. Und dieses Kino ist es, in dem die beiden Stränge schliesslich in einem explosiven und (angemessen) überdreht brutalen Finale zusammenfinden.

 
Inglourious Basterds (2009) von Quentin Tarantino. 5 von 5 Stahlhelme.

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