Reinas

Montags läuft ja für gewöhnlich im Broadway eine französische, englische oder spanische Originalversion mit deutschen Untertiteln. Das Angebot (in Zusammenarbeit mit dem AStA) ist im Grunde ja ein gutes, auch wenn die Umsetzung bisher leider nicht immer perfekt ablief. So wurde der französische Film “Je vous trouve très beau” vor drei Wochen leider entgegen aller Ankündigungen (und sehr zum Mißfallen der Zuschauer) synchronisiert gezeigt. Auch die Tatsache, daß die Filme von DVD abgespielt werden, zeigt sich leider an der für große Leinwände wirklich viel zu geringen Bildqualität. Ich hoffe mal spätestens bei Filmen wie “Control” (21.12.) und “Once” (25.01.) wird dann doch die Blu-Ray eingelegt. (Oder, in einem Kino ja vielleicht auch nicht ganz unpassend: Film?)

Wie auch immer. Gestern lief die spanische Komödie “Reinas”. Klasse Film, lustig, schön verstrickte Handlung, tewilweise etwas kitschig, aber auf eine liebenswürdige Weise. Aber darum soll es jetzt mal gar nicht gehen.

Was mich nämlich schon vor dem Film sehr gewundert hat, war die Anzahl der Zuschauer. In der OV sitzt normalerweise ein sehr überschaubares Grüppchen, in der englischen meist noch mal ein paar mehr, aber von einem vollen Saal kann man da nie wirklich sprechen.

Nicht so gestern abend. Gut 100 Leute schauten sich den Film an. Sind tatsächlich so viele in Trier am spanischen Kino interessiert?

Die Antwort kam mir spätestens mit der Einblendung des (wieder mal exorbitant dämlichen) deutschen Titels: “Schwule Mütter ohne Nerven”. (“Reinas” heisst übrigens “Königinnen”. Warum das nicht als Titel gereicht hätte, ist mir ein Rätsel…)

Wie sich heraustellte, lief der Film nämlich nicht nur im Rahmen des “Cine club español” sondern wurde auch vom Trierer Irgendwas für schwule Angelegenheiten (oder so, ich hab mir den Namen der Organisation nicht merken können) präsentiert. Und so lässt sich schließen, daß ein großer Teil des Publikums von homosexuellen (Männern, denke ich mal) ausgemacht wurde. Was mich dann zu meiner Frage bringt, die ich auch schon nach dem Kino mit Sarah zu diskutieren versuchte:

Warum?

Warum gibt es sowas? Warum werden Filme, in denen Homosexuelle und ihre Beziehungen eine Hauptrolle spielen, gezielt (und scheinbar auch fast ausschließlich) für ein schwules Publikum gezeigt?

Weil sich Homosexuelle damit besser identifizieren können?

Nein, das wäre doch arg engstirnig gedacht. Im Film hatten diverse schwule Paare diverse Aufs und Abs in ihren Beziehungen. Und obwohl ich selbst bisher noch in keiner homosexuellen Beziehung war, hatte ich kein Problem, mit den Protagonisten mitzufühlen und mich mit ihnen zu identifizieren. Ich bin auch noch kein Raumschiff geflogen, fiebere aber trotzdem mit, wenn die Enterprise mal wieder von Klingonen angegriffen wird. Und ich habe auch noch keine einzige Nacht in einem leerstehendem Hotel verbracht, das auf einem alten Indianerfriedhof gebaut wurde. Angst hatte ich bei “The Shining” trotzdem.

Klar, ich mag z.B. viele Filme von Woody Allen, und das auch weil ich mich im nervösen, exzentrischen Hauptcharakter wiederfinden kann. Aber ich guck mir ja auch nicht jeden Film an, in dem nervöse Personen vorkommen, unabhängig davon, welche Eigenschaften der Film sonst noch hat.

Und so verstehe ich nicht, wieso “beinhaltet Homosexualität” scheinbar ausreicht, um von einer scheinbar eigens dafür existierenden Organisation an eine schwule Zielgruppe als “sehenswert” empfohlen zu werden. Das fände ich nämlich wirklich engstirnig.

Gerade Film ist doch ein wunderbares Medium, um andere Kulturen kennenzulernen. Wäre doch schlimm, wenn sich jeder hauptsächlich nur Filme ansehen würde, die am ehesten seinem Kulturkreis, seinem Lebensstil, seiner Sprache, seiner Religion oder seiner sexuellen Orientierung entsprächen!

Um diesen jetzt doch schon sehr lang geratenen Eintrag mal zu beenden: Ich denke mal, es hat sicher was damit zu tun, daß sich der Mensch gerne mit Gleichgesinnten zusammentut. Vielleicht noch mehr, wenn man selbst in einer Minderheit ist. Und wenn man gerne ins Kino geht, geht man vielleicht auch gerne mit besagten Gleichgesinnten. Verständlich. Aber dann gezielt in Filme, die der eigenen Gesinnung entsprechen? Verstehe ich nicht.

13 thoughts on “Reinas

  1. Vielleicht möchten Menschen auch gern einmal Filme sehen, in denen Ihre Lebenswirklichkeit, oder etwas, das in Ihrer Lebenswirklichkeit ein wichtiger Bestandteil ist und aber sonst (TV, Kino) selten thematisiert wird, gezeigt wird. Heterosexuelle haben dafür z. B. (aber bei weitem nicht ausschließlich) Pro7, Sat1, ARD, ZDF, Kabel 1, what have you um 20.15 Uhr. Heterosexuelles Fernsehen in–möchte ich fast mit dir wetten–99% der Fälle.

    Der Vorfilm wurde übrigens vom Autonomen Schwulenreferat des AStA der Universität Trier gezeigt. Vielleicht ist das der Verein, den du meinst. Die existieren aber nicht nur um Filme zu zeigen. Die machen auch viel integrative Arbeit. Am Donnerstag gibt es eine Weihnachtsfeier. Vielleicht magst du ja mitkommen?

    Ach, und natürlich spielt der Community-Gedanke auch eine Rolle. Schau doch mal beim nächsten Queer-Gefilmt-Abend vorbei!

    Disclaimer: Der Kommentator hat schon häufiger Kaffee des Autonomen Schwulenreferats getrunken. Außerdem hat er Plakate für Queer Gefilmt geklebt.

  2. > Vielleicht möchten Menschen auch gern einmal Filme sehen, in denen
    > Ihre Lebenswirklichkeit, oder etwas, das in Ihrer Lebenswirklichkeit ein
    > wichtiger Bestandteil ist und aber sonst (TV, Kino) selten thematisiert
    > wird, gezeigt wird.

    Möglich. Und wenn ich einen guten Film sehe, in dem gut mit mir vertrauten und mich betreffenden Dingen umgegangen wird, finde ich ihn vielleicht gerade wegen dieses Umgangs noch ein bisschen besser. Aber die Qualität des Films geht vor der des Umgangs mit dem Thema. Oder: Das Thema sollte für mich nicht der Hauptgrund sein, den Film sehen (oder nicht sehen) zu wollen.

    > Heterosexuelles Fernsehen in–möchte ich fast mit dir wetten–99% der
    > Fälle.

    Nur, daß niemand es als solches klassifizieren würde. Warum ist “Bridget Jones” eine Liebeskomödie aber “Reinas” eine schwule Liebeskomödie? Würde es für den Film einen großen Unterschied machen, wenn er “Brandon Jones” heissen würde und es um homo- statt heterosexuelle Beziehungen ginge? Ich möchte glauben, daß damit viel weniger Menschen ein Problem hätten, als die Filmindustrie vielleicht denkt. Und genauso glaube ich, daß ein wirklich lustiger, schöner Film wie “Reinas” durchaus auch ein Massenpublikum ansprechen könnte (besser als “Keinohrhasen” ist er allemal…), wenn er denn die Chance dazu erhalten würde. Aber als “Schwule Mütter ohne Nerven” nur im Programmkino zu laufen, ist da natürlich keine gute Vorraussetzung.

    > Am Donnerstag gibt es eine Weihnachtsfeier. Vielleicht magst du ja
    > mitkommen?

    Nein, danke. Da bin ich zu intolerant für. Ich mag homogene Versammlungen “Anderer” nicht so. Gottesdienste, Fußballspiele, Jura-Partys, Feiern des Schwulenreferates, Wacken… nicht mein Ding.

    Disclaimer: Ich habe im Grunde nichts dagegen, wenn jemand religiös, Fußballfan, Jura-Student, schwul oder Metal-Fan ist.

  3. Ich denke, die Frage muss andersherum formuliert werden: Warum interessieren sich so wenige Heterosexuelle für schwules Leben?
    Warum zieht bei uns (d.h.dem Filmclub, bei dem ich mitarbeite) ein Film wie Milk deutlich weniger Zuschauer als normal, und warum lachen einzelne Leute, wenn Sean Penn zum ersten Mal James Franco küsst? Letzteres fand ich sehr bedrückend, dabei ist das eine so schöne Szene, die in keinster Weise auf Komik gespielt ist.

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man als Schwuler endlich einmal einen Film sehen will, der die eigenen Lebensumstände widerspiegelt und diesen unterstützen will, damit solche Filme häufiger gezeigt werden. Ich freue mich als Frau auch immer, wenn ich mal einen Film sehe, in dem die Frauenfiguren nicht bloße “Kreisch, Schuhe, kreisch, Männer, kreisch, ich muss heiraten”-Klischees sind, sondern ein klein wenig realistischer gezeichnet.

    Die Schwulen-Organisation wirbt für den Film, weil das, was sie vertritt, in dem Film dargestellt wird. Wenn wir Filme mit Amnesty International zusammen zeigen, dann zeigen wir Filme, die die Themen von AI behandeln. Und ja, dann ist eben “Doku über Kindersklaven” Grund genug, dass AI mit uns zusammen für diesen Film wirbt, vor dem Film Infomaterial zum Thema verteilt und nach dem Film bei Interesse noch eine Filmdiskussion anbietet.

    Das Argument, dass man ins Kino gehen solle, um fremde Kulturen kennenzulernen, trifft für nur Heterosexuelle zu. Andersherum macht es für mich keinen Sinn, denn heterosexuelle Kultur dominiert , so dass man als Schwuler ist man zwangsläufig damit gut vertraut ist- auch in SciFi- oder Fantasy-Filmen sind die Beziehungen zwischen den Figuren im Allgemeinen heterosexuell.

  4. (Ich finds übrigens richtig schön, daß hier eine geordnete Diskussion in den Kommentaren stattfindet! Gibt also doch nicht nur das YouTube-Niveau… ;)

    > Warum interessieren sich so wenige Heterosexuelle für schwules Leben?

    Weil sie es nicht kennen. Wie auch, wenn schwule Filme (ungünstige Formulierung…) nur “versteckt” laufen? Lief “Milk” nicht in mehr Kinos, weil die Herausgeber dachten, es würde sich eh keiner angucken? Weil es ein schwuler Film ist? Und was, wenn es ein Sean Penn-Film ist? Was mit Marketing alles möglich ist sieht man ja wöchentlich in den Kino-Charts.

    (Wie war das eigentlich damals mit Brokeback Mountain? War der kommerziell erfolgreich? Lief der in deutschen Kinos?)

    > “Kreisch, Schuhe, kreisch, Männer, kreisch, ich muss heiraten”

    Damit wäre dann auch das Drehbuch für SatC 3 fertig…

    > Das Argument, dass man ins Kino gehen solle, um fremde Kulturen
    > kennenzulernen, trifft für nur Heterosexuelle zu.

    Aber doch nur, wenn man seine Kultur komplett über seine Sexualität definiert. Und ich glaube, da liegt schon eher mein Problem mit der ganzen Sache. Ich bin weder hetero- noch homosexuell*, aber ich kann mir trotzdem Filme ansehen, in denen diese Ausrichtungen dominieren und etwas von der gezeigten Kultur mitnehmen. Ich mag Almodóvar weil mich spanische Sprache und Kino interessieren, ob da jetzt eine rein männliche oder gemischt-geschlechtliche Dreiecksbeziehung dargestellt wird, ist da doch eher nebensächlich.

    > heterosexuelle Kultur dominiert

    Ja, und Homosexualität, gerade im “Mainstream” ist immer noch etwas “besonders”, das dementsprechend hervor- und herausgehoben muss. Unnötigerweise, wie ich finde. Denn solange sie (z.B.) im Film eine Sonderstellung einnimmt, wird sie auch andernorts nicht als “normal” angesehen werden.

    Was wäre denn, wenn Til Schweiger einfach mal eine seichte, langweilige Liebeskomödie drehen würde, in der er sich nicht in Nora Tschirner sondern in Moritz Bleibtreu verlieben würde? Aber das ganze weder vom Verleih noch von der Presse auf diesen Aspekt reduziert würde? Würden die Leute nach der Vorstellung ihr Geld zurückverlangen? Kann ich mir nicht vorstellen, zumindest wenn es die gleichen Leute sind, die auch schon Geld für Ein- und Zweiohrdingens ausgegeben haben…

    (*) Vielleicht könnte mir der geneigte Leser mit Hintergrund in Gender studies mal irgendwann erklären, was ich denn jetzt eigentlich bin bzw. ob es ein Wort dafür gibt…)

  5. “Nur, daß niemand es als solches klassifizieren würde.”

    Dann würde ja auch das heteronormative Ziel, der latent homophoben oder an das latent homophobe Massenpublikum angepassten, Massenkulturschaffenden ein bisschen auffälliger.

    PS: ‘schwul’ passt nicht in deine Aufzählung, da Homosexualität keine Präferenz ist. Außerdem sind bei den Veranstaltungen des Schwulenreferats nicht nur homosexuelle Männer. Denk nur einmal an die Homosella-Veranstaltungen!

  6. Ist “religiös” ist eine Präferenz? Gibt bestimmt welche, die das verneinen würden…

    … ich aber nicht. Insofern: Du hast recht. Unglückliche Aufzählung. Wäre es besser, wenn ich auch noch Versammlungen von rothaarigen, sportlichen oder hyper-intelligenten Personen als meidungswert hinzufügen würde?

  7. Solange “schwul” von vielen Menschen als Schimpfwort gebraucht, ist es meiner Meinung nach ein sehr großer Unterschied, ob in einem Film eine heteronormative Beziehung dargestellt wird oder nicht.

    Ja, Werbung kann eine Menge ausmachen, aber selbst die beste Werbung kommt nicht gegen Vorurteile an.
    Das gilt übrigens auch für andere Themen: Der am schlechtesten besuchte Film bei uns war dieses Jahr “Wolke 9” von Andreas Dresen, der Alterssexualität thematisiert. Ein guter Film, den unser studentisches Publikum absolut nicht sehen wollte. Wir machen zu Beginn des Semester immer einen Stand im Mensafoyer, um für unser Programm zu werben- ich weiß nicht mehr, wie häufig ich mir “iiih, nackte alte Menschen, igitt, was zeigt ihr denn für Filme” anhören musste, aber es war sehr häufig. Und wenn der Film erstmal so stigmatisiert ist, dann kommt man dagegen nicht mehr an, auch wenn man den Film als “der neue Film von Andreas Dresen, dem Regisseur von “Sommer vorm Balkon” und “Halbe Treppe”, eine tragische Dreiecksgeschichte, super Film” bewirbt. “Sommer vorm Balkon” und “Halbe Treppe” waren zwei ziemlich erfolgreiche Filme bei uns, und der Name “Dresen” ist durchaus publikumswirksam.

    Beispiel Milk: Lief letzten Donnerstag bei uns, und das wie oben erwähnt ziemlich schlecht (deutlich besser als Wolke 9, aber trotzdem nur ungefähr die Hälfte des normalen Publikums). Wir haben den Film nicht als “Schwulen-Film” beworben, sondern als den Film, für den Sean Penn dieses Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen hat.
    Die Tatsache, dass Leute gelacht haben, weil sich zwei Männer geküsst haben, spricht dafür, dass sie nicht deswegen gekommen sind, weil es ein schwuler Film ist.
    Klar kann es auch andere Ursachen haben, wenn Zuschauer ausbleiben, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass zumindest unser Publikum ein latentes Problem mit nicht hetero-normativen Beziehungen hat.

  8. Okay, gerade das Beispiel mit Milk zeigt wohl, daß ich in meiner Einschätzung doch sehr naiv war. Wenn schon bei einem Filmclub, der ja wahrscheinlich eh schon ein sehr ausgewähltes Publikum hat, ein dramatischer Mann-Mann-Kuss für Gelächter sorgt? Ich hätte gehofft, daß da wenigstens die Liebe zum Film stärker ist als die Ignoranz. Schade.

    Aber ich würde gerne wissen, in wie weit das einfach nur eine (unfreiwillige) Reaktion auf etwas “Anderes” ist (“Oha, da küssen sich zwei Männer, da lache ich lieber mal, bevor noch jemand denkt, ich würde das gutheißen!”), die bei den gleichen Zuschauern nicht auftreten würde, wenn sie den Film z.B. allein sehen würden. Es wird gelacht, weil das die erwartete Reaktion ist, nicht, weil da eine tiefergehende Homophobie besteht.

    > Klar kann es auch andere Ursachen haben, wenn Zuschauer ausbleiben,
    > aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass zumindest unser Publikum
    > ein latentes Problem mit nicht hetero-normativen Beziehungen hat.

    Auch hier möchte ich jetzt mal den advocatus diaboli spielen und behaupten, daß das Problem nicht so viel mit dem Thema an sich sondern eher mit dem Umgang damit zu tun hat. Wenn man den Trailer für “Wolke 9” sieht, wird einem klar, daß hier sehr ernst mit dem Thema Sex und Liebe im Alter umgegangen wird und einen womöglich sogar dazu bringen könnte, darüber nachzudenken(!), und dazu haben vielleicht nicht so viele Leute Lust. Ist “Something’s Gotta Give” nicht auch ein Film über Liebe im Alter? Klar, es sind Hollywood-Stars und der Sex passiert wenn überhaupt jenseits der Kamera, aber das Thema ist doch das gleiche. Nur die Darstellung unterscheidet sich radikal.

    “Reinas” zeigt ja, daß auch ein Film, in dem die gezeigten Beziehungen nunmal homosexuell sind, gut besucht sein kann. In Almodóvars “La ley del deseo” geht es auch um ein schwules Liebesdreieck, aber ich bezweifle, daß er vor einem ähnlichen Publikum laufen würde.

    (Und gerade fällt mir noch “Der bewegte Mann” ein…)

    Und dann noch das:

    > Solange “schwul” von vielen Menschen als Schimpfwort gebraucht (wird)

    In meinem Sprachverständnis hat das Wort “schwul” mindestens drei Bedeutungen:

    a) homosexuell (vor allem bei Männern)
    Beispiel: “Pedro Almodóvar ist schwul.”

    b) blöd, doof, beschissen
    Beispiel: “Dieser schwule PC ist schon wieder abgestürzt!”

    c) (übertrieben) feminin
    Beispiel: “Oh mein Gott, dieses Hemd ist ja sowas von schwul!”

    Natürlich haben b) und c) ihre Wurzeln in a), aber mitlerweile existieren sie doch längst losgelöst davon. Die meisten Kinder kennen wahrscheinlich die zweite Bedeutung lange vor der ersten, das macht sie aber noch nicht homophob. Natürlich ist es gerade für schwule Menschen (erste Bedeutung) unglücklich, daß das Wort auch diese negative Bedeutung bekommen hat, aber Sprache entwickelt sich eben. (Ähnliches Beispiel: behindert.)

  9. >Aber ich würde gerne wissen, in wie weit das einfach nur eine (unfreiwillige) >Reaktion auf etwas “Anderes” ist (“Oha, da küssen sich zwei Männer, da lache >ich lieber mal, bevor noch jemand denkt, ich würde das gutheißen!”), die bei >den gleichen Zuschauern nicht auftreten würde, wenn sie den Film z.B. allein >sehen würden. Es wird gelacht, weil das die erwartete Reaktion ist, nicht, weil >da eine tiefergehende Homophobie besteht.

    DAS finde ich auch mal interessant. Mir geht das ja in unserer Sneak Preview immer mächtig auf den Zeiger, wieviel unangenehmes Gekicher und Geklatsche und so kommt, wenn mal irgendwo zwei Männer nah beieinander stehen, das ist schon geradezu absurd. (und ich glaube, ein tatsächlicher “Schwulenfilm” lief da noch nie, aber ich befürchte, das würde überhaupt nicht funktionieren. Da würden nur dumme Kommentare kommen.)
    Brokeback Mountain hab ich damals im englischen Original gesehen und da war das Kino völlig ruhig – war auch ziemlich voll, glaub ich. Aber wie lang der lief und ob er erfolgreich war, keine Ahnung.

    Diesen Montag lief im Kino “The Stepfather” – ein völlig beknackter, schlechter Thriller oder Horrorfilm, keine Ahnung, was das genaue Genre ist – aber da kam immerhin einfach so eine lesbische Beziehung vor, ohne dass es weiter groß thematisiert wurde oder die Frauen so völlig überzeichnete “Kampflesben”-Typen waren. Zwei ganz normale Frauen, ein befreundetes Pärchen, fertig. Das fand ich nicht schlecht!

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