Ganz im Gegenteil

Ich hab ja so einige pet peeves, also bestimmte Dinge, meist Kleinigkeiten, die mich total nerven, auch wenn das für die meisten vielleicht nicht so nachvollziehbar ist. Wenn jemand (im Deutschen) DNA anstatt DNS sagt, zum Beispiel. Finde ich ganz schrecklich falsch und unnötig. Wenn es keinen passenden deutschen Begriff dafür gäbe (wie bei “pet peeve”) wäre es ja noch verständlich, den englischen zu benutzen. Hab auch nicht wirklich verstanden, warum es in der synchronisierten Version von “2012” Pancakes zu essen gab anstatt Pfannkuchen. Oder warum im Tatort letzten Monat ein Sniper umging und kein Scharfschütze.

Eine Sache, auch Sprache betreffend, die mir in letzter Zeit immer wieder auffällt, ist die Verwendung von “ganz im Gegenteil”. Es fing glaube ich damit an, daß ein Radiomoderator nach einem Lied von (sagen wir mal) Gwen Stefani meinte: “Das klingt ja so gar nicht nach Gwen Stefani. Ganz im Gegenteil.”

Ich weiß schon, daß er sagen wollte, daß das Lied nicht wie ein typisches Stefani-Lied klingt. Aber dann hätte er nach dem ersten Satz aufhören sollen. Das Hinzufügen von “ganz im Gegenteil” signalisiert mir, daß er das Gegenteil von dem meint, was er gerade gesagt hat. Also in dem Beispiel, daß das Lied dann doch so ganz nach Gwen Stefani klingt.

“Ich bin nicht hungrig. Ganz im Gegenteil.”

Nicht hungrig = satt. Gegenteil = hungrig. Also “Ich bin hungrig.”

Soweit zumindest mein Sprachempfinden.

Nun bin ich aber auch jemand, der immer wieder darauf hinweist, daß Sprache lebt und sich entwickelt und sich Bedeutungen verschieben und auch schonmal komplett umdrehen können. Ich finds aber trotzdem interessant, daß “ganz im Gegenteil” im modernen Gebrauch anzeigt, daß es sich eben gerade nicht um ein Gegenteil handelt.

Ganz im Gegenteil.

2 thoughts on “Ganz im Gegenteil

  1. Witzig, dass es einen Begriff für solche Kleinigkeiten gibt. Ich habe da auch ein paar Sachen, die ich als störend empfinde. Zum Beispiel, wenn Leute immer noch “daß” statt “dass” schreiben. ;-)
    Persönlich bin ich ja auch wirklich kein Feind von Anglizismen. Sprache als dynamischen Prozess wahrnehmen, französische und ganz, ganz viele lateinische Lehnwörter, etc. Dieser extreme Übergebrauch geht mir allerdings auch auf den Keks und meiner Meinung nach ist das eine Verschwörung und von Pro 7 mit “Popstars” initiiert. Da wird ja schon seit Jahren nur noch “performt” statt aufgetreten “gevoted” statt gewählt und ähnliche Scheußlichkeiten.
    “So long”,
    der fidepus

  2. Mein allergrößtes Pet Peeve ist, dass ein Großteil der im Internet kommunizierfreudigen Deutschen es sich angewöhnt haben, “Oh man” statt “Oh Mann” zu schreiben. Das macht doch gar keinen Sinn! Ich hatte schon mal eine ewig lange Diskussion mit einer Kollegin darüber, warum “Oh Mann” viel mehr Sinn macht (Es ist ein Ausruf, man sagt ja auch “Oh Gott”, “Mensch, ist das blöd”, warum sollte ein Pronomen einfach so allein stehen, etc.), aber selbst der Duden hat sie nicht überzeugt und sie schreibt weiterhin “oh man” (zu dieser Diskussion sei bemerkt, dass wir beide in einem Verlag gearbeitet haben, wo man irgendwie ständig über Rechtschreibung diskutiert). Mittlerweile bereitet es mir schon fast körperliche Schmerzen, wenn ich “oh man” sehe und ich muss mich jedes Mal zusammenreißen, nicht eine sinnlose Diskussion mit dem Schreiber vom Zaun zu brechen!

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