Immer, wenn ich in der deutschen Presse…

Immer, wenn ich in der deutschen Presse Artikel über Themen lese, mit denen ich mich sehr gut auskenne (z.B. aktuell die Late Night-Krise bei NBC), muß ich feststellen, daß sie voller Fehler, Ungenauigkeiten, schlechter Recherche und einem generellen Mißverständnis des Themas sind. Muß ich daraus schliessen, daß Artikel zu allen anderen Themen dieses Schicksal teilen?

8 thoughts on “Immer, wenn ich in der deutschen Presse…

  1. Nein.
    Du darfst aber daraus schließen, dass verdammt viele Leute in der deutschen Presse schlechtes Englisch sprechen und ihr Leseverständnis nicht ausreicht, um selbst knappe Artikel sinngemäß zu übersetzen.

    Es ist doch hier an der Uni genauso. Mittlerweile müsste jedem Studenten klar sein, dass man ohne zumindest befriedigende Englischkenntnisse an der Uni kaum bestehen kann.
    Trotzdem begegnen mir in meinen Seminaren jeden Tag Leute, die nicht mehr können als meine 12 jährige Cousine.

  2. Doch, muß man wohl.
    Das Phänomen der Artikel und Berichte aus falsch kombiniertem Halbwissen tritt nicht nur bei Meldungen auf, die aus fremden Sprachen übernommen werden. Und nicht nur bei schwierigeren Sachverhalten wird geschludert, sondern auch bei einfachen Fakten. Das wird einem besonders schön deutlich, wenn man der Presse live über die Schulter schaut. Beispiel: Ein Kollege wurde interviewt. Die Zeitung schickte den Praktikanten. Resultat: Sachverhalte falsch dargestellt, falsch zitiert – letzteres war aber nicht weiter schlimm, da vom Namen des Interviewten bis zu seiner Position auch alles falsch war.

  3. Mir geht’s genauso, z.B. mit Artikeln über geowissenschaftliche Themen. Oder auch bei Lokalem, wenn ich einen der Akteure persönlich kenne.
    Man kann nur hoffen, dass die Journalisten in anderen Bereichen besser recherchieren.

  4. Das sind ja schlechte Aussichten…

    Oder liegt es nur daran, daß einfach alle Themen für den gemeinen Leser (im Normalfall kein Experte) auf ein einfacheres Niveau heruntergebracht werden, das für den Kenner dann natürlich unvollständig und falsch sein kann, dem Laien aber genug Informationen vermittelt, um sich ein grobes Bild zu verschaffen?

  5. Ist zum Teil auch eine Qualitätsfrage, bei der sich das Wurstblatt dann von der FAZ trennt. (Zum Teil natürlich nur. Wenn du zur Kommunikationselite gehörst (und das tust du), dann solltest du lieber bei den Quellen bleiben.)

  6. Ich frag mich da auch immer, ob die Journalisten, die so viele Fehler produzieren, denn kein Interesse daran haben, alles richtig wiederzugeben? Also, merkt man nicht, dass man keine Ahnung von dem Thema hat und deswegen lieber noch mal überprüfen sollte, ob das, was man da schreibt, auch so stimmt? Oder findet man sich selbst total geil und denkt, alles was man schreibt, stimmt auch? Oder ist es einem scheißegal? Oder hat man keine Zeit?

    Ich finde das total merkwürdig. Mir geht das bei Japan-Artikeln immer so, das ist wirklich schmerzhaft, was da geschrieben wird. Alleine so Schreibfehler wie “Saki” statt Sake. Denkt man da sich als Autor nicht “ach, wie hieß denn dieses japanische Getränk nochmal, ich bin mir nicht sicher, also google ich das mal kurz”?

    • > “Saki” statt Sake

      Das erinnert mich jetzt wieder daran, wie sehr mich das immer aufregt, wenn Radio-/Fernsehmoderatoren Titel oder Namen nicht korrekt aussprechen. Als ob es nicht Mittel und Wege gäbe, das irgendwie herauszufinden. Aber da muß einer schon US-Präsident werden, bevor man merkt, daß er nicht Bärack heisst.

  7. Wenn ein Journalist, oder eine ganze Zeitschrift glaubt, nicht ‘gut’ schreiben zu müssen, weil man die Leserschaft überfordern würde, dann sollte man ganz schnell die Redaktion austauschen.
    Fakten auszulassen, die sich in einem Nebensatz anfügen lassen könnten, ist auch so eine Unart und meiner Meinung nach der erste Schritt auf dem Weg zur Desinformation.

    Ich kann Cordelias rhetorische Frage mit einem “ja” beantworten:
    Ein sehr guter Freund von mir, hat vor einiger Zeit beim hiesigen Amtsblatt ein Praktikum gemacht.
    In kürzester Zeit wurden ihm Artikel aufgetragen und er durfte sogar zwei eigene halbseitige Berichte verfassen, die er selber recherchieren musste. Nun ist er freier Mitarbeiter.
    Das zeigt für mich drei Dinge:
    1. Er hat Talent und spricht/schreibt gutes Deutsch
    2. Er ist engagiert.
    3. Ein talentierter und engagierter Vollblut-Amateur schafft es (ab-)gestandene Journalisten in den Schatten zu stellen, bei einem Amtsblatt…

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: