The Devil and God are Still Not Raging On Vinyl

Mal eben ein kleines Update zu dem Beitrag vom 6. Oktober 2009, in dem ich voller Vorfreude das baldige Erscheinen des Albums “The Devil and God Are Raging Inside Me” ankündgte, und dem Beitrag von Heiligabend 2009, das von dem schwierigen und letztendlich aussichtslosen Weg erzählte, an eben diese Schallplatte heranzukommen.

Amazon führt die Scheibe mittlerweile gar nicht mehr und eine kurze Suche in denen mir von Google vorgeschlagenen deutschen Plattenversendungshäusern ergab auch nichts. (Der geneigte Leser (Oli) möge mir an dieser Stelle Links zu den Läden seines Vertrauens offenbaren.) Wikipedia weiß, dass es insgesamt nur 9.200 Pressungen (in alerlei verschiedenen Ausgaben) der Devil and God gab und davon die meisten auch schon ausverkauft sind. (Im offizielen Webladen der Band gibts nur CDs und T-Shirts…)

EBay führt zum Zeitpunkt dieses Beitrags eine Auktion auf eine der weißen Vinyle aus den USA mit einem Starpreis von $99,99. Billiger wäre besser.

Warum überhaubt so ein Brouhaha für dieses Album? Weil die Visions es zur Platte des Jahres 2006 kürte? Möglich, aber das war für uns Dauerhörer damals schon nur eine Bestätigung und keine Offenbarung mehr.

Aber im Dauerhören liegt die Antwort. The Devil and God ist nicht nur ein Album, das man immer wieder und wieder hören kann und will, sondern eines das auch beim (mindestens) 671. Wiederhören noch Neues offenbart, und tatsächlich noch besser wird.

Mein aktuelles Lieblingsalbum ist Blood Pressures von The Kills. Ich höre es jeden Tag, manchmal auch mehrere male direkt hintereinander. Es klingt fantastisch, es macht Spaß, es hat einen Hammer-Sound. Aber mit der Reaktion, die ich auf The Devil and God habe, ist es nicht vergleichbar. Das Durchören dieses Albums ist eine emotionale tour de force. Schmerz, Wut, Trauer, Hoffnung, Liebe, Verzweiflung. Viel Musik handelt von diesen Dingen, aber nur wenige lässt sie mich so intensiv nachfühlen.

Und das ganze auch noch in einer Musikrichtung, mit der ich mich nie so richtig anfreunden konnte. Wikipedia nennt als Genres des Albums “Alternative rock, emo, post-hardcore, indie rock”. Mancherorts habe ich auch den (seltendämlichen) Begriff screamo gehört. Erst vor ein paar Tagen hat der Urius wieder eine Musikempfehlung herausgehauen, bei der ich am Rumgrschreie des Sängers einfach nicht vorbeikommen mag.

Auf The Devil and God wird auch geschrien. Wo ist der Unterschied? Nun, zunächst einmal wird nicht nur geschrien. Und wenn, dann hat es eine Berechtigung. Wenn Text und Thema (und die Musik) es erfordern.

Wenn ich doch kurz einmal auf das Medium Film zurückkommen darf: Mit dem Geschreie ist es vielleicht ein bischen so wie mit den Spezialeffekten. Es gibt Filme, die sehr effektlastig sind, in denen die Effekte aber nicht wirklich auffallen. Moon zum Beispiel. Oder, um einen Titel zu nennen den auch Leute gesehen haben: Forrest Gump. Würde man jetzt nicht unbedingt als Special Effects-Film bezeichnen. Man hat eher die Geschichte im Kopf. Die vielen Erlebnisse der Hauptfigur. Aber diese sind in den meisten Fällen nur durch spezielle Effekte überhaupt möglich. Nur sind sie subtil eingesetzt und schreien nicht nach Aufmerksamkeit.

Ein Gegenbeispiel hierfür wären die neuen Star Wars-Filme. (Und mitlerweile ja leider auch die alten.) George Lucas scheint dem Mantra “Mehr ist besser” verschrieben zu sein und packt in seine Filme so viele Spezialeffekte wie es nur geht. Im Hintergrund muss immer irgendwas zu sehen sein, irgendwelche ausserirdischen Viecher oder Raumschiffe oder was auch immer, hauptsache es lenkt von den dämlichen Dialogen ab. Und das tut es wirklich, es lenkt ab. Die Effekte dienen nicht der Story, sie dienen nur sich selbst.

Und das Gefühl habe ich auch bei dem Rumgeschreie von z.B. dem Polar Bear Club. Es wird geschrieen, weil halt geschrieen wird. Schreien zum Selbstzweck. Nicht so bei The Devil and God Are Raging Inside Me.

(Ein weiterer Grund, dass manche Sänger nur schreien, kann natürlich auch sein, dass sie nicht singen können. Das ist bei Jesse Lacey zum Glück nicht der Fall.)

Ich könnte noch viel mehr schreiben, über das perfekte Schlagzeug zum Beispiel. Ein anderes mal…

Link: The Devil and God Are Raging Inside Me bei Spotify.

4 thoughts on “The Devil and God are Still Not Raging On Vinyl

  1. Oh, da bin ich wohl etwas spät jetzt, aber ich kann dir mit Gewissheit sagen, dass du die Platte in keinem Laden mehr bekommen kannst. Hab’ ich auch schon probiert, aber da geht nichts. Entweder viel Geld in die Hand nehmen oder auf Represses warten…

    • Also gefällt dir die Platte auch? Ich glaube ein Venn-Diagramm aller Alben, die sowohl Thorsten, Oli, dir und mir gefallen wäre nicht besonders umfanreich, oder?

  2. In der Tat!

    btw, ich dachte Nebel verlinkt immer alle neuen Einträge auf Facebook. Jetzt merke ich: Dem ist nicht so. Muss mal grad alles aufholen (statt zu lernen!)

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