J’ai tué ma mère

Ein paar Gedanken zu J’ai tué ma mère (Xavier Dolan, 2009), den ich soeben im Kino gesehen habe:Der Film hat mir überhaupt nicht gefallen. Dolan übernimmt neben der Regie auch das Drehbuch und die Hauptrolle, kann aber leider in keiner dieser Funktionen überzeugen. Es wimmelt nur so voll anstrengender Einstellungen, die Story führt zu nichts, die Charaktere sind unsympathisch. Neben ein paar Randfiguren die letztendlich keine Rolle spielen gibt es im Zentrum des Films den 16-jährigen Hubert (Dolan) und seine Mutter (Anne Dorval). Hubert ist ein undankbares, freches Arschloch dem selbst ich friedliebender Mensch je mehr der Film fortschritt ein gewaltvolles Ende herbeiwünschte. Seine Mutter ist eine weitgehend hilflose, schwache Frau die sich von ihrem asozialen Sohn terrorisieren lässt. In beide Charaktere mochte ich nichts emotional investieren und so war mir auch der Ausgang des Films gleich.

Ein sehr auffälliges Beispiel für Dolans nervige Regie ist, dass er mehrere Dialoge so geschnitten hat, dass in Profilaufnahmen die links sitzende/stehende Person am rechten Bildschirmrand und in der nächsten Einstellung die rechts sitzende/stehende am linken Rand ist. Als dies zum ersten mal in einer Szene mit Mutter und Sohn geschieht passt es ganz gut, die bildliche Trennung der beiden spiegelt ihr Verhältnis treffend wieder. Aber Dolan wiederholt die gleiche Masche in mindestens zwei weiteren Szenen, in denen die Symbolik absolut keinen Sinn ergibt. So wird es zu einem unkreativen Gimmick.

Meine Begleiter fanden den Film “ganz okay.” Kann leider nicht nachvollziehen, wieso.

Bonus-Aufreger: Es schmerzt mich regelrecht, im Broadway Poster für Filme wie Martha Marcy May Marlene, Carnage und, vor allem, Copie conforme zu sehen und die Gewissheit zu haben, dass sie lediglich synchronisiert laufen werden.

Copie conforme ist neben The Tree of Life der Film, der mich dieses Jahr bisher am meisten beeindruckt und zum Nachdenken gebracht hat. Ich würde wirklich einiges dafür tun, ihn auf der großen Leinwand sehhen zu können, darunter so verrückte Dinge wie, ich weiß auch nicht, einem Kino Geld zahlen? Aber das wird wohl leider ein Traum bleiben…

2 thoughts on “J’ai tué ma mère

  1. Ich habe mich bei J’ai tué ma mère nur gefragt, ob ich einfach zu alt für diesen Film bin und das kindische Verhalten der Hauptperson nicht mehr nachvollziehen kann. Genau das nervige Dialog-Gimmick- wenn man zum ersten Mal solch einen Film sieht, findet man es vielleicht noch aufregend.

    Copie conforme als OmU: Das einfachste wäre wohl die BluRay vorzuführen. Aber da der Film vor zwei Wochen erst in Deutschland angelaufen ist (mit ganz schlimmen Titel und nur synchronisiert, soweit ich das auf der Verleiherseite gesehen habe), dauert es wohl noch 3 bis 4 Monate, bis man die Rechte dafür bekommt.
    Ansonsten würde ich an deiner Stelle konsequent nach Luxembourg ins Kino fahren, da müssten die Filme doch OmU laufen?

    • Ja, über den schlimmen deutschen Titel habe ich mich neulich schon via Twitter aufgeregt, der geht wirklich gar nicht.

      Das mit Luxembourg ist leider nicht so einfach, wenn man kein Auto hat, da der letzte Bus zurück nach Trier um 19:37 (!) fährt.

      Aber ich werde meine mobilen Freunden mal wieder etwas bequatschen. “Contagion” läuft ja gerade…

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