[Top 5] Literaturverfillmungen

Eine neue Top 5, diesmal mit Sonja Hartl von zeilenkino.de:

Eigentlich habe ich zu Top-Soundsoviel-Listen ein eher zwiespältiges Verhältnis: Ich lese sie gerne, aber es fällt mir schwer, selbst eine zu erstellen. Alleine schon die Sorge, einen Titel zu übersehen … Aber als nebelicious mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, eine Top-5-Liste der besten Literaturverfilmungen zu machen, dachte ich mir, warum nicht – immerhin beschäftige ich mich in meinem Blog Zeilenkino überwiegend mit diesem Thema.

Also habe ich die letzten Tage damit verbracht, festzustellen, wie viele Filme inklusive Buch noch auf meinem ungesehen/ungelesen Stapel liegen („Abbitte“ zum Beispiel) und mich zu fragen, wie ich die Filme am besten vergleiche. Schlussendlich habe ich entschieden, dass ein Kriterium für mich wichtig ist: Ich musste zuerst das Buch gelesen haben. Daher fielen viele tolle Filme wie „Der Malteser Falke,“ „About Schmidt,“ „Vom Winde verweht,“ „No Country for Old Men“ oder auch „Mystic River“ raus.

Mir ging es ähnlich. Ich wollte nicht einfach nur gute Filme auflisten, die auf Romanen basieren („The Godfather,“ „The Shawshank Redemption“) sondern idealerweise solche, deren literarische Vorlage ich auch gelesen habe oder zumindest gut mit ihr vertraut bin. Ich bringe ja leider viel zu selten die Konzentration auf mich einem Buch zu widmen und habe so in meinem Leben eindeutig noch nicht genug gelesen. Dann ist mir während der Vorbereitung auf diese Liste aufgefallen, dass ich noch ein paar Filme ungesehen hier hatte, die Verfilmungen von Büchern sind, die mir sehr gut gefallen haben, wie z.B. „The Road,“ „Das Parfüm“ oder „Der Vorleser.“ Die Filme „The Road“ und „Perfume: The Story of a Murderer“ haben mir allerdings leider so gar nicht gefallen. An „The Reader“ habe ich mich nicht herangetraut, nachdem ich mich an dieses hier erinnert hatte.


Sonjas #5
Adaptation.
(Spike Jonze, 2002)

Ein Film, der von den Schwierigkeiten, das Buch „Der Orchideen-Dieb“ zu verfilmen erzählt und zugleich als Verfilmung desselben gilt, toll gespielt und wunderbar erzählt ist, gehört auf diese Liste!
 

Nebels #5
Die Filme Stanley Kubricks,
insbesondere „Lolita,“ „A Clockwork Orange“ und „The Shining.“

Bis auf seine frühensten Werke basieren alle Filme Stanley Kubricks auf literarischen Vorlagen (nur das Drehbuch von „2001: A Space Odyssey“ wurde von Kubrick und Arthur C. Clark zeitgleich mit Clarks Buch verfasst), aber diese drei Romanvorlagen sind sicher die bekanntesten, und neben Schnitzlers „Traumnovelle“ („Eyes Wide Shut“) die einzigen, in die ich zumindest reingelesen habe. (Nur „A Clockwork Orange“ habe ich komplett gelesen.) Vladimir Nabokov verfasste die Adaption seines Romans „Lolita“ noch selbst (und musste dabei bemerkenswerterweise jegliche Andeutung an sexuelle Aktivitäten zensieren), Kubrick schrieb das Drehbuch für „Clockwork“ alleine und „The Shining“ zusammen mit Diane Johnson. Es ist bekannt, dass Stephen King kein großer Fan des Kubrick-Films ist. Seine größter Kritikpunkt – durchaus berechtigt – ist, dass Jack Torrence in seinem Buch ein normaler, herkömmlicher Mann ist, der vom Overlook Hotel langsam in den Wahn getrieben wird, Jack Nicholson jedoch, während man ihm den Wahn sehr wohl abkauft, von vorneherein nicht wirklich normal ist. Aber dennoch ist “The Shining” für mich der wohl beste Horrorfilm aller Zeiten.
 


Sonjas #4
Winter’s Bone
(Debra Granik, 2010)

Einer der besten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe – und ein sehr lesenswerter Roman von Daniel Woodrell.
 

Nebels #4
Romeo + Juliet
(Baz Luhrmann, 1996)

Baz Luhrmann war sicher nicht der erste, der Shakespeare in die Neuzeit holte, oder der erste, der dabei die Originaldialoge beibehielt. Aber in seinem bunten, überdrehten Feuerwerk von einem Film wirkt dies keinesfalls wie ein Gimmick. Die Schauspieler, ob alte Größen wie Pete Postlethwaite oder die aufstrebenden Stars Leonardo DiCaprio und Claire Danes (Hach!) spielen den Stoff kompetent und Luhrmann ist wie vielleicht kein anderer Regisseur geeignet, das Drama mit genügend Drama! auf die Leinwand zu holen. (Und dann wurde noch dieses Lied speziell für den Film geschrieben, das ist ja auch schon was…)
 


Sonjas #3
L.A. Confidential
(Curtis Hanson, 1997)

Der von James Ellroy persönlich als unverfilmbar eingeschätzte Roman wurde von Curtis Hanson und Brian Helgeland toll adaptiert, indem sie sich nicht sklavisch an die Vorlage halten, sondern lediglich einige Erzählstränge aufgreifen und weiterentwickeln.
 

Nebels #3
Adaptation.
(Spike Jonze, 2002)

Zugegeben, ich habe Susan Orleans „The Orchid Thief“ nicht gelesen. Aber die Geschichte hinter dieser Adaption ist einfach zu herrlich/verrückt um sie hier nicht zu erwähnen. Als Charlie Kaufmann („Being John Malkovich,“ „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“) ein Drehbuch basierend auf Orleans Buch schreiben sollte und ihm das nicht so recht gelingen wollte schrieb er stattdessen ein Drehbuch darüber, wie er, Charlie Kaufmann, ein Drehbuch basierend auf „The Orchid Thief” schreiben soll und ihm das nicht so recht gelingen will. Dafür schreibt er sich auch glatt noch einen Zwillingsbruder an die Seite, der, um das Möbiusband perfekt zu machen, in den Credits des Films zusammen mit Charlie als Drehbuchautor genannt wird und die bisher einzige komplett erfundene Person ist, die für einen Oscar nominiert wurde. Und trotz (bzw. wegen) all dieser Meta-Geschichten ist der Film tatsächlich unterhaltsam, wenn auch sehr, sehr schräg.
 


Sonjas #2
Das Versprechen
(Sean Penn, 2001)

Sean Penns meines Erachtens weitgehend unterschätzte Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts gleichnamigen Roman hält sich im Gegensatz zu „Es geschah am hellichten Tag“ (1958) weitaus enger an die literarische Vorlage und bringt den unauflösbaren Konflikt des Kommissars (hier: Jack Nicholson) toll auf die Leinwand.
 

Nebels #2
The Princess Bride
(Rob Reiner, 1987)

William Goldmans Roman und Rob Reiners Film (nach Goldmans Drehbuch) sind wunderbare, zeitlose Werke. Wenn ein Film als „Familienfilm“ beschrieben wird ist das heutzutage ja leider oft mit „Kinderfilm“ gleichzustellen. “The Princess Bride” ist wahrlich für die ganze Familie, für jedes Alter geeignet. Der großartige Peter Falk erzählt on- und off-screen die Geschichte der Prinzessin Buttercup (Robin Wright) und des Stalljungen Westley (Cary Elwes). Der Film bleibt sehr nahe am Buch und bietet Abenteuer, Romantik, Komik und haufenweise Dialoge, die schnell in den alltäglichen Wortschatz übergehen (“Inconceivable!,” “My name is Inigo Montoya …,” etliche mehr). Ein perfekter Film für die Feiertage; ich freue mich schon, ihn bald wieder zu sehen.
 


Sonjas #1
Tod in Venedig
(Luchino Visconti, 1971)

Eine eher langweilige Entscheidung, aber Luchino Viscontis Verfilmung von Thomas Manns Erzählung ist für mich weiterhin das Maß aller Dinge hinsichtlich der Verfilmbarkeit von Literatur. Denn er hat gezeigt, dass man einen Autor wie Thomas Mann verfilmen kann, wenn man sich traut, auf die Mittel des Filmes zu vertrauen und sich nicht sklavisch an die literarische Vorlage hält.
 

Nebels #1
The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
(Garth Jennings, 2005)

Dass ich in meinem Leben nicht mehr Bücher gelesen habe dürfte auch daran liegen, dass ich lange Zeit, statt ein neues Buch anzufangen, lieber Douglas Adams’ „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ zum zweiten, dritten oder zehnten mal gelesen habe. Die Buch-Trilogie basiert selbst auf Adams’ Radiospiel (erste Ausstrahlung 1978) und existiert auch als Fernsehserie, Computerspiel, Handtuch, Comicbuch und Bühnenstück. Eine Hollywood-Adaption war lange geplant, aber weil der notorische Zu-spät-Abgeber Adams nie ein fertiges Drehbuch hervorbrachte konnte die Produktion des Films erst nach seinem Tod im Jahre 2001 beginnen. Karey Kirkpatrick, der auch schon am Drehbuch von „The Iron Giant“ mitschrieb (einer meiner Lieblingsfilme), vervollständigte Adams letzten Entwurf, das Regie- und Produzentenduo Hammer & Tongs drehte den Film mit einer m.E. perfekten Besetzung. Martin Freeman (britisches „The Office,“ demnächst als Bilbo Baggins in „The Hobbit: An Unexpected Journey“) spielt Arthur Dent, dem eines Morgens erst das Haus, dann der Planet demoliert wird. Mos Def („Mr. Definitely,“ wie Christopher Hitchens sagen würde), Zooey Deschanel, Sam Rockwell und Bill Nighy brillieren in weiteren Rollen und dann natürlich noch Douglas Adams’ langjähriger Freund Stephen Fry als Stimme des Guide, dessen Einträge in liebevoll gestalteten, kurzen Trickfilmen auf die Leinwand gebracht werden. Ich weiß, dass der Film bei Publikum und Kritikern auf gemischte Reaktionen gestoßen ist, aber für mich (und wie ich festgestellt habe für viele andere Fans des Buches auch) gelingt es ihm in bester Weise, Adams geistreichen und intelligenten Humor sowie seinen lebensbejahenden Blick auf die Menschheit und das Universum in ein neues Medium zu übertragen.

4 thoughts on “[Top 5] Literaturverfillmungen

  1. Ferner liefen bei mir noch Filme wie “Scrooged” (mit Bill Murray, nach Dickens’ “Weihnachtsgeschichte,” “Der Richter und sein Henker” (von Max von Sydow, nach und mit Friedrich Dürrenmatt), die ich gut in Erinnerung habe aber viel zu lange nicht gesehen habe. Mit “Fight Club” (Buch und Film) habe ich mich im letzten Jahrzehnt viel beschäftigt, ich würde sagen, der Film landet bei mir auf #6.

    DAS Negativ-Beispiel, wie eine Buchverfilmung nicht aussehen sollte, ist Ron Howards “The Da Vinci Code,” der leider absolut nichts neues zum Stoff hinzufügen konnte. Daher bin ich auch ein bisschen besorgt, dass Howard die Verfilmungen von Stephen Kings “The Dark Tower”-Epos übernehmen wird, in dessen letzten Zügen ich mich gerade befinde.

  2. Muss leider auch zugeben, dass ich Sonjas Top 3 noch nicht gesehen habe. “L.A. Confidential” habe ich zumindest hier, der möchte schon lange geschaut werden, die beiden anderen kommen natürlich prompt auf die Leihliste!

  3. Da schaut man so viele Filme, aber ich kenne Deine beiden Top-Filme auch nicht. :-) In engerer Auswahl hatte ich noch die “Muppets Weihnachtsgeschichte”, “Der fantastische Mr. Fox” und “Einer flog übers Kuckucksnest”.

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