[Dialog] Der Tag nach dem Tag danach

So, jetzt wissen wir es also endlich. Die Academy hat gesprochen, die Welt hat geantwortet.

Große Enttäuschung bei denen, die fest mit Albert Brooks gerechnet haben – nur er selbst nahm es relativ gelassen.

Große Begeisterung (in gewissen, mich einschliessenden Kreisen) über die Nominierung Terrence Malicks, der dann nächsten Monat wohl einer von zwei Regisseuren sein wird, die der Dankesrede von Michel Hazanavicius (bzw. Martin Scorsese?) nicht live im Kodak Theater beiwohnen werden. (Oder wird Woody Allen sein Sonntag-abendliches Jazz-Engagment doch absagen, um sich seinen Drehbuch-Oscar abzuholen?)

Und große Verwunderung bei… allen? über die Nominierung von “Extremely Loud and Incredibly Close” an neunter und letzter Stelle in der Kategorie Bester Film. Mit nur einer weiteren Nominierung (Max von Sydow, Supporting Actor) der schwächste im Feld, aber trotzdem irgendwie an “The Girl With The Dragon Tattoo” (5 Nominierungen) vorbeigekommen. Dazu noch die zweifelhafte Ehre, der Film mit der schlechtesten kritischen Bewertung zu sein, der jemals für Best Picture nominiert wurde.

Nach dem kurzen Versuch mit 10 Nominierten erlaubte eine erneute Regeländerung (Mark Harris erklärt sie hier, aber wirklich verstanden habe ich sie nicht) dieses Jahr zwischen 5 und 10 Titel im Rennen zum Besten Film. Dass es letztendlich neun geworden sind, hat viele überrascht und zeigt, dass die Mitglieder der Academy doch nicht so einheitlich abgestimmt haben wie erwartet.

Gäbe es nur fünf (und ‘was-wäre-wenn’-Spielereien sind es, was diese Zeit des Jahres ausmacht) läge es nahe, wenn es die fünf wären, deren Regisseure auch nominiert wurden. Also dieses Jahr “The Artist,” “The Descendants,” “Hugo,” “Midnight in Paris” und “The Tree of Life.” Wirklich mitreden kann ich da leider noch nicht, habe bisher nur die zwei letztgenannten gesehen. “The Artist” werde ich heute abend im Kino sehen (wer hätte das in Trier für möglich gehalten), die verbleibenden zwei werde ich hoffentlich bald in Luxembourg erwischen (oder sie erscheinen auf magische Weise in meiner Dropbox…). Aber ich kann mir, auch nach dem, was ich so gelesen habe, kaum vorstellen, dass “The Tree of Life” und “Midnight in Paris” die jeweiligen Randpositionen auf meiner ‘Top 5 Filme, die dieses Jahr für Beste Regie nominiert sind‘ aufgeben müssen.

Andererseits spricht einiges dafür, dass “The Tree of Life” es in einem Jahr mit fünf Nominierungen nicht auf den Stimmzettel geschafft und “Moneyball” (6 Nominierungen) seine Stelle eingenommen hätte. Aber so nett ich diesen Film auch fand und so toll Brad Pitt auch spielt – sein anderer Film ist der besssere, Punkt. Über “The Tree of Life” kann ich nicht genügend Superlative finden, und entgegen aller Prophezeihungen glaube ich auch weiterhin fest daran, dass er in der Nacht auf den 27. Februar nicht leer ausgehen wird. (Meine wilde Theorie: Die Fans von Scorsese und Hazanavicius stehlen sich gegenseitig die Stimmen und Malick setzt sich durch.)

Soweit meine erste, grobe Evaluierung der Nominierungen. Mir liegt noch einiges mehr auf dem Herzen, aber bevor das hier zu lang wird gebe ich ab an Caecilie und Sonja: Was waren für euch die großen Erkenntnisse vom Dienstag? Gab es Freudentänze? Trauermärsche? Distanzierte Gelassenheit?


Oscar-Dialog 2012

#1 Der Tag nach dem Tag danach (nebel)
#2 Der Tag nach dem Tag und dann noch einige Tage später (cez)
#3 Fast eine Woche später (Sonja)
#4 30 Schauspieler in einem Eintrag! (nebel)
#5 Zwei, drei Bemerkungen zu Midnight in Paris (cez)
#6 Unnötige Nebengeräusche (Sonja)
#7 Von Unterhunden und Dunklen Pferden (nebel)
#8 Über damals und Meryl Streep (Sonja)
#9 2008! (cez)
#10 Lange Nacht (nebel)

2 thoughts on “[Dialog] Der Tag nach dem Tag danach

  1. Von den Nominierten für “Bester Film” hab ich bisher nur Moneyball, The Help und The Descendants gesehen. The Help war von der Idee ganz nett, aber viel zu klamaukig, Moneyball fand ich extrem langweilig (aber das liegt am Thema), aber The Descendants hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem, so richtig vom Hocker gerissen hat mich letztes Jahr eigentlich nichts…insofern hält sich auch meine Begeisterung für die Oscar-Verleihung dieses Jahr etwas mehr in Grenzen. Aber mal sehen, ein paar Filme möchte ich noch sehen, bis es so weit ist :)
    Mich ärgert allerdings sehr, dass immer nur so Historienfilme mit Wallegewändern für Best Costume nominiert sind. Da hätte ich spontan mal J.Edgar nominiert! Die Kostüme da finde ich wahnsinnig gut abgestimmt…sowohl von den Typen als auch von den Zeiten her.

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