[Dialog] Der Tag nach dem Tag und dann noch einige Tage später

Caecilie hier mit meinem ersten Blogbeitrag seit mindestens zwei Jahren.

Hui, die Nominierungen. Dabei wird mir wieder bewusst, dass meine Lieblingsfilme des Jahres meist Filme sind, die ich ein oder zwei Jahre nach Veröffentlichung endlich auf DVD gesehen habe, die auf Festivals liefen und oder die als Klassiker gelten, die ich dank LOVEFiLM mehr oder weniger zufällig geschaut habe. Das macht die Oscar-Verleihung allerdings nur unterhaltsamer, weil ich mich wesentlich weniger über schlechte Filme, die Preise gewinnen, ärgere, weil ich die Filme gar nicht kenne. (Und ein Jahr später ist aus dem Ärger dann Verwunderung geworden. “Wirklich? DER Film hat einen Oscar gewonnen?”).

Aber da bei der Oscar-Verleihung auch gerne mal Menschen weniger für ihren aktuellen Film als für ihr Lebenswerk geehrt werden, weil das allgemeine Gefühl besteht, dass es jetzt wirklich mal Zeit wäre, dass diese Person einen Oscar bekommt (Hallo Mr. Scorsese!), oder schon wieder Meryl Streep dafür gewinnt, dass sie Meryl Streep ist,  geht es wohl einigen Mitgliedern der Academy ähnlich.

Apropos Verwunderung: Kann mir jemand die Existenz des Films “War Horse” erklären? Will diesen Film wirklich jemand sehen? Hätte Spielberg stattdessen nicht Jurassic Park 4 drehen können? Oder meinetwegen irgendeine Schmonzette mit Tom Hanks? Ein Film über einen Jungen, der sein Pferd aus dem Krieg retten will, könnte mich wirklich nicht weniger interessieren, wenn Robert Redford Regie geführt hätte.* Immerhin hat Lisa Hanawalt einen großartigen Comic dazu gezeichnet.

Von den Best Picture Nominees habe ich bisher nur “Midnight in Paris” und “Tree of Life” gesehen, zwei Filme von Regisseuren, die wohl unterschiedlicher kaum sein könnten: Woody Allen, der verlässlich jedes Jahr mehr oder weniger dieselbe Komödie dreht und Terrence Mallick, der alle knapp 10 Jahre einen Film dreht, in dem er nicht weniger als alles erzählen will (da waren sogar zwei Dinosaurier in “Tree of Life”! ). Großartig besetzt sind beide Filme, so richtig und ganz wahnsinnig umgehauen hat mich keiner, auch wenn die erste Stunde von “Tree of Life” sehr wahr und wunderbar ist (nachher taucht leider Sean Penn auf). Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Mallick in der Tat den Oscar für die beste Regie gewinnt, weil es genug Wähler gibt, die glauben, dass jetzt Mallicks Zeit gekommen sei.

Beginners” hätte noch diverse Nominierungen (insbesondere in der Kategorie “Bester Hund”) verdient gehabt, doch ähnlich wie bei “Drive” und “Melancholia” war das ja leider nicht zu erwarten, deswegen hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Und vielleicht bringt ja Christopher Plummer den Hund mit zur Verleihung.

Gefreut habe ich mich über die Nominierung von Alexander Payne, den ich seit “Election” sehr mag. Auch, wenn er bisher für fast jeden seiner Filme nominiert wurde. Und ein Clooney-Film sowieso Oscar-Bait vom Feinsten ist. Aber trotzdem.

Auch erfreulich: endlich mal kein Pixar-Film(=sicherer Sieger) unter den Animationsfilmen! Vielleicht gewinnt mit “A Cat in Paris” endlich mal ein Außenseiter? Und dann noch zwei Nominierungen für “A Separation“! Toll!

Ansonsten überwiegt (noch) Gelassenheit. Vielleicht ändert sich das, wenn ich nächste Woche endlich “Moneyball” und “The Descendants” gesehen habe. Zu “Extremely Loud and Incredibly Close” schreibe ich übrigens lieber nichts (definitiv nicht mein Lieblingsbuch), aber es ist schon eine unheimliche Verschwendung dieses Premium-Titels, dass es sich hierbei nicht um eine aus Close-Ups bestehende Doku über Motörhead handelt.

*Niemand hat jemals so viel Langeweile auf die Leinwand gebracht, wie der Regisseur Robert Redford. Das soll kein Urteil über die Leistungen des Schauspielers Robert Redford sein, aber ich will die Lebenszeit zurück, die ich mit “Aus der Mitte entspringt ein Fluss” vergeudet habe, selbst wenn es Lebenszeit war, die ich eingeklemmt in einen unbequemen Flugzeugsitz verbracht habe. Ich hätte schlafen und etwas wirres träumen können, verdammt!


Oscar-Dialog 2012

#1 Der Tag nach dem Tag danach (nebel)
#2 Der Tag nach dem Tag und dann noch einige Tage später (cez)
#3 Fast eine Woche später (Sonja)
#4 30 Schauspieler in einem Eintrag! (nebel)
#5 Zwei, drei Bemerkungen zu Midnight in Paris (cez)
#6 Unnötige Nebengeräusche (Sonja)
#7 Von Unterhunden und Dunklen Pferden (nebel)
#8 Über damals und Meryl Streep (Sonja)
#9 2008! (cez)
#10 Lange Nacht (nebel)

5 thoughts on “[Dialog] Der Tag nach dem Tag und dann noch einige Tage später

  1. War Horse ist wirklich seltsam… der Trailer wirkt wie eine Parodie, finde ich! Diese oberschmalzige Musik, ständig weint irgendwer oder Pferde/Menschen laufen durch Spaliere. Und wie der Trailer endet…mit diesem aufschauenden Pferd…absurd. Wer will das sehen?
    Aber naja, das Buch scheint ja auch ein Hit gewesen zu sein…

    • Ich habe ja gestern gelesen, dass “War Horse” in Deutschland als “Gefährten” ins Kino kommt. (Das Kinderbuch heisst hier “Schicksalsgefährten.”)

      Aber trotz des dämlichen Trailers habe ich schon irgendwie Lust, den Film zu sehen!

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