Try Harder

So, so, CinemaxX versucht also, “generell wenn möglich” Originalfassungen zu zeigen. Nur sei dies “nicht immer möglich.”

Das ist natürlich beides Unfug. Also sowohl, dass es nicht immer möglich ist (es soll doch tatsächlich in Deutschland Kinos geben, die ein OV-Vollprogramm haben!), als auch, dass das Trierer CinemaxX “generell” versucht, OVs zu zeigen.

Letztes Jahr liefen im CinemaxX Trier vier Filme mit nicht-deutscher Tonspur. Nach “True Grit” im Februar gab es “Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides” im Mai, “The Hangover Part II” im Juni und “Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2” im Juli. (Woran lag es, dass die Serie nicht weitergeführt wurde? An einem Mangel an Fortsetzungen wohl kaum…)

Warum also die Lüge, man würde ja, wenn man könnte? Das andere Trierer Kino, Broadway, geht in seinem Gästebuch, stets unterzeichnet von Betreiber Dirk Ziesenhenne, wenigstens ehrlich auf Anfragen (“Wird dieser Film bei euch laufen?”/“Warum zeigt ihr nicht jenen Film?”) ein. Eine Auswahl an Antworten, Hervorhebungen meine:

[Die Chance, den Film “Perfect Sense” zu zeigen] besteht leider nicht – der Film ist ein völliger Flop, er hat es in den ersten zwei Wochen in ganz Deutschland auf keine 10.000 Besucher gebracht. Das ist wirtschaftlich nicht vertretbar.

Ob der Film [“Huhn mit Pflaumen”] in der Folge bei uns zum Einsatz kommt, werden die Zahlen bei den Kolleginnen und Kollegen entscheiden, da wir – abseits von Filmqualitäten – auch auf die Wirtschaftlichkeit schauen müssen.

Der Markt entscheidet, weil wir uns (leider) als nicht städtisch gestützter Kulturbetrieb nach marktwirtschaftlichen Bedingungen zu richten haben. Der Film [“Faust”] läuft morgen in einigen deutschen Kinos an – die Zahlen werden in der Folge entscheiden. Erfahrungsgemäss bin ich leider nicht all zu optimistisch, dass sich der Film soweit durchsetzen wird, dass sich ein Einsatz wirtschaftlich wird vertreten lassen.

Und, auf den Hinweis, dass in Trier bestimmte Filme nicht, dafür aber viele andere doppelt (also im Broadway und im CinemaxX) laufen:

[Das] Doppelspiel ist nicht immer zu vermeiden – auch wir müssen wirtschaftlich denken und können nicht der reinen Kunst fröhnen, denn dazu reicht das Potential in Trier schlicht nicht aus. D.h. wir sind mit 5 Sälen darauf angewiesen, gewisse Erfolgsfilme zu spielen, sonst wären wir nicht überlebensfähig.

(Meine Anfrage, ob es eine OV des Films “Nader und Simin” geben könne, wurde gar nicht erst beantwortet, aber ich schätze einfach mal, dass so etwas wirtschaftlich nicht vertretbar wäre.)

Dass sich das Broadway mit seiner “Es lohnt sich nicht, Filme zu zeigen, die ein paar Leute sehen wollen, weil diese Filme niemand sehen will”-Politik in einer Abwärtsspirale aus der Existenzberechtigung befindet, ist ein Thema für einen anderen Beitrag. Jetzt interessiert mich, was hinter dem mangelnden Enthusiasmus des CinemaxX steht, wenn es um Originalfassungen geht. Ist es auch der wirtschaftliche Aspekt? Ich war in drei der OVs des letzten Jahres, “True Grit,” “Hangover” und “Harry Potter.” Alle waren gut besucht. Nicht ausverkauft, aber sicherlich jeweils mehr Zuschauer als die beiden “Pina”-3D-Vorstellungen, die ich im CinemaxX gesehen habe, zusammen. Vor allem für die Nicht-Fortsetzung “True Grit” finde ich es interessant, dass so viele gekommen sind, bei den beiden anderen ist ein gewisses Grundpublikum sicher schon voreingebaut.

Aber vielleicht hat es trotzdem nicht gereicht, um sich für das Kino zu rentieren? Ich habe keine Zahlen, ich weiß es nicht. Den Kommentaren des CinemaxX nach liegt es jedenfalls nicht am mangelnden Gewinn, dass es seit über einem halben Jahr keine Originalfassungen mehr gegeben hat.

Dass CinemaxX überhaupt auf Twitter vertreten ist und gelegentlich auch auf Anfragen antwortet (wenn auch manchmal leider ohne es zu Ende zu führen) ist ein guter Anfang, geht aber nicht weit genug. Ich weiß ja nicht, wie diese “Versuche,” OVs zu zeigen, so aussehen, aber ein Kontakt mit dem Publikum, sowohl dem durchaus vorhandenen OV-Stammpublikum als auch dem, dass spontan abhängig von Laune oder Film entscheidet, ob es ins Kino geht, wird jedenfalls nicht gesucht. Dabei ist dies in Zeiten von Facebook, Twitter und co. wirklich nicht unmöglich.

Naja, soweit erstmal meine kleine Frust-Tirade, angefeuert von der traurigen Tatsache, dass ich immer noch vier (“The Descendants,” “Extremely Loud & Incredibly Close,” “Hugo” und “War Horse”) der neun Filme, die dieses Jahr für den Best Picture-Oscar nominiert wurden, weder gesehen habe noch bis zur Verleihung in neun Tagen sehen werden kann. Und, ja, ich weiß, dass ich mit meinen Ansprüchen nicht unbedingt in einer Stadt wie Trier leben sollte. Aber dann erwarte ich wenigstens, dass das Kino zugibt, kein Interesse an Originalversionen zu haben und nicht behauptet, “generell zu versuchen,” sie zu zeigen.

/rant

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