Ist das denn die Möglichkeit?

"Low Countries 1700" by Rebel Redcoat - Own work. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons.

Dass gestern schon am frühen Abend (18 Uhr?) Fußball gespielt wurde hatte mir keiner gesagt, weshalb ich die Partie Mexiko-Kamerun beinahe komplett verschlafen hätte. Erst so gegen kurz vor acht dachte ich mir, ich schalte mal den Fernseher ein, was zunächst tatsächlich eine kleine Herausforderung darstellte, da benötigte Geräte und Kabel in anonymen Paketen in der Abstellkammer herumsiechten. Außerdem gab es noch eine kurze Sinnkrise, in der ich ernsthaft überlegen musste, ob ich wirklich die Art von Mensch sein will, die ihr Nintendo 64 ab- und dafür einen Apparat, dessen einziger Zweck ist, öffentlich-rechtliche Fernsehsignale zu empfangen, anschließt. Das fiel mir nicht leicht, aber die Gewissheit, dass ich auf dem zweiten Bildschirm jederzeit S- und Kein-S-NES simulieren kann, beruhigte mich dann wieder etwas.

Das Spiel, als es dann endlich in meinem Wohnzimmer ankam, befand sich schon in der zweiten Halbzeit. Ob es Tore gab oder ob jemand gewonnen hat, weiß ich nicht mehr, aber ich würde jetzt einfach mal auf ein 1:0 oder 2:1 für Mexiko tippen. Geregnet hat es, und die Bandenwerbung verriet mir, dass in “Natal” oder “Nadal” gespielt wurde.

Überhaupt, warum sieht man bei dieser WM eigentlich so viel Bandenwerbung für Produkte, die den allgemeinen Deutschen gar nicht interessieren, bzw. die er gar nicht kaufen kann? Irgendwas von einer brasilianischen Bank oder Versicherung, “Seguro” oder so? Wenn mein Fernseher imaginäre Abseitslinien auf den Platz malen kann, dann dürfte es ja nicht allzu schwer sein, die Bandenwerbung zielgruppengerechter zu machen.

Gegen 21 Uhr ging es dann mit dem Spiel Spanien-Niederlande weiter. Das wusste ich, da ich auf meinem Weg in den Palastgarten am Viehmarkt vorbeikam, auf dem in diversen Fernsehern die Flaggen der beiden Länder prominent im unteren Bilddrittel eingeblendet waren, während Oliver Kahn und Oliver Welke oder Kalkofe oder Dittrich sich über (wahrscheinlich) Fußball unterhielten.

Als ich wieder nach hause kam stand es, so vermittelten es mir zumindest Twitter und Facebook, bereits eine Million zu minus acht Milliarden für die Niederländer, mit Toren von Robben und Robin und Robyn und Rubens, unter anderem. Vor lauter Aufregung bin ich dann auch direkt eingeschlafen.

Heute morgen habe ich gelesen, dass es gestern sogar noch ein drittes Spiel gab, Chile gegen Australien. Weil ich ja nicht ganz uninformiert über die WM schreiben wollte, hatte ich eben in der ZDF-Mediathek ein Highlight-Video des Spiels gestartet, aber nachdem der Kommentator nach dem zweiten Tor “Ist das denn die Möglichkeit?” in sein Mikro brüllte war ich plötzlich ganz traurig, zum einen weil das ja generell eigentlich gar nicht sein kann, dass, bei all dem Geld, dass die Sendeanstalten in die Tontechnik stecken, der arme Mann trotzdem immer so laut werden muss, wenn ein Tor gefallen ist. Ich bin jetzt kein Fachmann, aber würde man einfach den Stadionton etwas leiser- und sein Mikro etwas aufdrehen, könnte er in ganz normaler Lautstärke weiterreden und wir würden ihn trotzdem noch verstehen.

Zum anderen ist die Frage, ob denn so ein Tor in so einem Fußballspiel überhaupt möglich ist schon ziemlich dämlich und sollte einen professionellen Sportkommentator nicht so sehr überraschen. Wenn es das allererste Tor gewesen wäre, dass er in seinem Leben gesehen hätte, okay. Aber das zweite in wenigen Minuten?

Heute Abend wird schon wieder gespielt. (Ist das denn die Möglichkeit?) Ich möchte nichts versprechen, aber vielleicht schaue ich mal rein.

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